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Welche Schutzhandschuhe sind für technische Aufgaben vorgeschrieben?

 

Abbildung verschiedener SchutzhandschuheIn den Katastrophenschutzeinheiten der Hilfsorganisationen ist im Einsatz eine Vielzahl von technischen Aufgaben zu erledigen. Dabei spielt ein ausreichender Handschutz häufig eine wesentliche Rolle.

Handschuhe für den Schutz vor mechanischen Gefahren werden als PSA (Persönliche Schutzausrüstung) in drei Schutzstufen (Kategorien) eingestuft:

Kategorie I: Dies sind Handschuhe, bei denen der Konstrukteur davon ausgeht, dass der Be­nutzer selbst die Wirksamkeit gegenüber geringfügigen Risiken beurteilen kann und deren all­mählich eintretende Wirkung vom Benutzer rechtzeitig und ohne Gefahr wahrgenommen wer­den kann. Dazu zählen z.B. Handschuhe für Gartenarbeiten oder auch Haushaltshandschuhe für den Umgang mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln.

Kategorie III: Handschuhe, die gegen tödliche Gefahren oder schwere oder irreversible Ge­sundheitsschädigungen schützen und bei denen der Konstrukteur davon ausgeht, dass der Benutzer die unmittelbare Wirkung nicht rechtzeitig erkennen kann. Dazu zählen z.B. Hitze­schutzhandschuhe (> 100°C), Kälteschutzhandschuhe (< 50°C) oder isolie­rende Schutzhand­schuhe für die Arbeit unter Spannung.

Alle anderen Schutzhandschuhe sind der Kategorie II zugeordnet.

Leistungsstufen nach DIN EN 388
Schutzhandschuhe der Kategorie II werden in 4 Leistungsstufen geprüft:

A Abriebfestigkeit 1 - 4 Der Wert basiert auf der Anzahl der erforderli­chen Testzyklen für den Abrieb des Testhand­schuhs.

Kennzeichnung des Schutzhandschuh

Kennzeichnung Schutz vor mechanischen Gefährdungen

A S R D

S Schnittfestigkeit 1 - 5 Dieser Wert basiert auf der Anzahl der erforder­lichen Testzyklen für das Zerschneiden des Testhandschuhs mit konstanter Geschwindig­keit.
R Reißfestigkeit 1 - 4 Dieser Wert basiert auf der erforderlichen Zug­kraft für das Zerreißen des Testhandschuhs.
D Durchstichfestigkeit 1 - 4 Der Wert basiert auf der erforderlichen Stoß­kraft für das Durchstechen des Testhand­schuhs mit einer Nagelspitze (Wert gilt nicht für Kanülen, Glas- oder Metallsplitter!)


Für die obligatorischen Tätigkeiten, z.B. Zeltbau oder handwerkliche Tätigkeiten in den KatS-Einheiten der Hilfsorganisationen, können Schutzhandschuhe der Schutzstufen „2 1 2 1“ (Mindestwerte!) ausreichend sein. Für reine technische Aufgaben mit möglichem Kontakt zu heißen Oberflächen können auch so genannte „Schweißerschutzhandschuhe“ mit langer Stulpe (nach DIN EN 407 + DIN EN 388 bzw. DIN EN 12477) sinnvoll sein.

Für feuerwehrähnliche Tätigkeiten in der technischen Rettung sollten Schutzhandschuhe der Empfehlung der Feuerwehr-Unfallkassen (Schutzstufen „3 2 3 3“) entsprechen. Feuerwehr-Schutzhandschuhe für die Brandbekämpfung nach DIN EN 659 sind in aller Regel nicht erforderlich.


Über die Gefährdungsbeurteilung sollte ergänzend ermittelt werden, aus welchem Material die Handschuhe sein sollen:

 •  Strickhandschuhe aus Baumwolle bieten oft den geforderten mechanischen Schutz, schützen aber nicht vor Nässe und heißen Oberflächen,
 •  Baumwolle mit Nitril-Beschichtung bietet einen gewissen Nässeschutz, allerdings schwitzen die Hände bei längerem Gebrauch und die Nitril-Beschichtung ist ungeeignet bei heißen Oberflächen,
 •  Handschuhe aus Leder oder vergleichbarem Material bieten einen gewissen Schutz vor heißen Oberflächen, lassen sich aber nur schlecht von Öl und Fett reinigen,
 •  Kunststoffe wie Elastan, Polyamid und ähnliche sind bei heißen Oberflächen nicht einsetzbar, bieten aber meist nur einen eingeschränkten Nässeschutz.


Der praktische Nutzen der gewählten Schutzhandschuhe sollte in einem Trageversuch über mehrere Einsätze bei unterschiedlichen Bedingungen getestet werden. Es ist darauf zu achten, das die gewählten Handschuhe in den für die Träger passenden Größen beschafft und als Ersatz – auch im Einsatz – vorgehalten werden.


Bei speziellen Aufgaben muss der geeignete Schutzhandschuh über eine gesonderte Gefährdungsbeur­teilung, ggf. mit Unterstützung durch Handschuhhersteller, ermittelt werden.