Arbeitsschutz-Organisation

Dürfen Schwangere im ehrenamtlichen Sanitäts- und Einsatzdienst eingesetzt werden?

 

Werdende Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, genießen durch das Mutterschutzgesetz besonderen Schutz vor Gefahren am Arbeitsplatz. Ehrenamtliche sind jedoch keine „Beschäftigten“ im Sinne des Gesetzes, sodass das Mutterschutzgesetz und die zugehörigen Regelungen keine unmittelbare Anwendung finden.


Dennoch ist der Unternehmer (Vorstand / Geschäftsführung) verpflichtet, die ehrenamtliche Tätigkeit einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die Tätigkeit nicht gefährdet werden. Er hat mögliche Gefahren zu ermitteln und die notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Tätigkeitsbedingungen müssen rechtzeitig im Hinblick auf Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung mit einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden. Dabei sind vor allem physikalische, chemische und biologische
Gefährdungen zu beurteilen.


Mutterschutz in der Praxis im Ehrenamt
Ein möglicher Weg zur Gefährdungsbeurteilung und zur Lösung ist die Orientierung an Arbeitshilfen, die von Seiten der Arbeitsschutzverwaltungen angeboten werden.
Grundsätzlich sollten werdende Mütter nicht eingesetzt werden:

 • bei Tätigkeiten, die das Heben und Tragen von mehr als 10 kg oder das häufige Arbeiten
in Zwangshaltung erfordern, z.B. Heben und Transportieren von Patienten,
Reanimationen,
 • bei Tätigkeiten mit gesundheitsschädigenden Gefahrstoffen z.B. Fomaldehyd,
 • bei Tätigkeiten, die eine erhöhte Gefahr für eine Infektion mit sich bringen, z.B.
Punktionen, Injektionen, chirurgische Wundversorgungen, Reinigung / Desinfektion
stechender oder schneidender Instrumente,
 • bei Tätigkeiten mit erhöhter Unfallgefahr, z.B. Sturz-, Stolper- und Rutschgefahren.


Möglich sind Tätigkeiten wie Maßnahmen der Ersten Hilfe oder die Durchführung von Wundversorgungen, sofern geeignete Schutzmaßnahmen die Gefahr einer Infektion minimieren, z.B. flüssigkeitsdichte Handschuhe, ggf. Schutzbrille, FFP3-Maske.


In Zusammenarbeit mit der werdenden Mutter (und ggf. einem Arzt ihres Vertrauens) sollten die Bereiche festlegt werden, in denen sie ohne Gefahr für sich und das Kind noch tätig werden kann (möchte und sich zutraut).


Letztlich liegt die Entscheidung jedoch beim Unternehmer bzw. den verantwortlichen Beauftragten.
Individuelle „Beschäftigungsverbote“ sind jedoch in jedem Fall zu beachten.